Reinkarnation und Karma gehören im Lebenskonzept „Sinn des Lebens“ zusammen wie Weg und Wegstrecke. Reinkarnation beschreibt, dass ein Geistwesen mehr als einmal in einen menschlichen Körper eintritt. Karma beschreibt, was es aus jedem dieser Leben mitnimmt.
Der Ausgangspunkt: ein Leben reicht nicht
Fast alle Religionen kennen ein Weiterleben nach dem Tod. Das Konzept setzt genau dort an und zieht die naheliegende Schlussfolgerung: Wenn das Geistwesen den Körper verlässt und in den geistigen Bereich zurückkehrt — warum sollte es nur ein einziges Mal den umgekehrten Weg gegangen sein?
„In nahezu allen Religionen ist ein Leben nach dem Tod und die Reinkarnation fester Bestandteil. Das Geistwesen verlässt nach dem Tod den Körper und kehrt in den universellen Geistesbereich zurück. Hierher kommen wir und hierher kehren wir zurück. Akzeptiert man dies, gibt es keinen Grund zu glauben, dass die Seele nur einmal inkarniert.“
— Dieter Schwerter, Kapitel 6 →
Warum wir uns nicht erinnern
Mit der Geburt geht der Zugang zum Allbewusstsein verloren. Das ist nach diesem Konzept kein Mangel, sondern Absicht: Wer sich an alles Frühere erinnerte, könnte sich nicht auf die Aufgabe dieses einen Lebens konzentrieren. Die Erinnerungen sind nicht gelöscht, nur nicht abrufbar — sie liegen im Unterbewusstsein und lassen sich über Rückführungen wieder zugänglich machen.
Was Karma ist — und was nicht
Karma wird umgangssprachlich oft als Strafe verstanden, als kosmische Quittung. Im Lebenskonzept ist es sachlicher gefasst: als Aufzeichnung.
„Alle Informationen aus unserem Leben, jede Handlung, Tat und jeder Gedanke fließen in die sogenannte Akasha-Chronik ein und stehen der gesamten geistigen Welt wie eine Bibliothek zur Weiterentwicklung zur Verfügung. Unsere eigenen Inkarnationen bilden unser Karma, eine Datenbank all unserer guten und schlechten Taten in diesem und in früheren Leben.“
— Dieter Schwerter, Kapitel 6 →
Zwei Ebenen sind hier zu unterscheiden. Die Akasha-Chronik ist die gemeinsame Aufzeichnung aller Erfahrungen aller Wesen — sie steht der ganzen geistigen Welt zur Verfügung. Das Karma ist der persönliche Anteil daran, die eigene Bilanz.
Dass jemand heute ein schweres Schicksal zu tragen hat, kann nach diesem Konzept mit einem negativen Karma aus früheren Leben zusammenhängen. Wichtig ist die Blickrichtung: Das ist keine Zuschreibung von Schuld an Menschen, denen es schlecht geht, und keine Rechtfertigung dafür, ihnen nicht zu helfen. Es ist eine Aussage über den eigenen Weg, nicht über den der anderen.
Der historische Bruch
Dass die Reinkarnation im christlichen Kulturraum fremd wirkt, hat nach diesem Konzept einen datierbaren Grund.
„Die Vorstellung von einem einmaligen Leben existiert nur im katholisch-christlichen Dogma, da im 6. Jahrhundert das Thema Reinkarnation durch ein päpstliches Edikt aufgegeben wurde, vermutlich um die Menschen an die Himmel/Hölle-Philosophie zu binden.“
— Dieter Schwerter, Kapitel 8 →
Im Buddhismus und Hinduismus ist die Wiedergeburt bis heute selbstverständlich. Die Vorstellung vom einmaligen Leben ist damit die Ausnahme, nicht die Regel.
Was das im Alltag bedeutet
Der praktische Gewinn dieser Sicht ist kein Trost über den Tod hinweg, sondern eine Entlastung im Hier. Wenn dieses Leben nicht der eine Versuch ist, bei dem alles gelingen muss, verliert das Scheitern seinen endgültigen Charakter. Es gibt immer wieder eine neue Chance.
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Kapitel 6 — Die geistige und die menschliche Welt behandelt Karma und Akasha-Chronik, Kapitel 7 — Einmaliges Leben oder Reinkarnation den Lebensplan, Kapitel 8 — Freiheit der Selbstentwicklung die Rückführungen und das Edikt.